DAV – auf den 4000er`n der Schweiz und Italien unterwegs

Vor ca 2 Jahren kam bei der Hochtour zur Hochalmspitze die Idee auf, mal auf einen 4000er stehen zu wollen…

Als dies letztes Jahr durch Corona erheblich erschwert wurde, stand also dieses Jahr ein neuer Anlauf an. 4000er / August 2021 / so stellte FÜL Willi Häusler die Tour ins Jahresprogramm des DAV Rainding.

Nach Anmeldungen, Terminüberschneidungen, Schönwetterfenster, usw. war man am Schluß leider nur zu dritt, das sollte das Projekt aber nicht ausbremsen.

Am Montag wurde um 3:00 Nacht von Egglham gestartet. Ziel, der beschauliche Ort: Alagna Valsesia in der Piemont. Nach knapp 10 Stunden Autofahrt, erreichte man in dem Ort die Seilbahn und fuhr somit auf ca 3300 Meter hoch. Nach einem kurzen Zustieg von 350 HM über Fels und Eis erreichten alle die Hütte Capanna Gnifetti. Das Refugio sollte für zwei Nächte das Lager werden. Nach einem sehr guten Abendessen und Tourbesprechung für die Tage darauf ging es früh ins Bett, man wollte schließlich zeitig los.

So klingelte der Wecker also wieder früh, ca 5:00. Aufstehen, Frühstück, Ausrüstung anlegen und raus auf den Gletscher bei Morgendämmerung. Zu dieser Zeit hat man einfach die besten Bedingungen, alles ist noch gefroren und so kommen alle gut voran. Sehr kalt war es und der Wind tat sein übriges dazu. Tolle Bilder ergaben sich als die Sonne über den Bergkamm hervorkam. Eigentlich war nur eine Eingehtour mit ca 500 Höhenmetern auf dem Grenzgletscher zwischen Schweiz und Italien geplant. So wollten sich alle an die Höhe von 4000m akklimatisieren. Allerdings ging es allen Teilnehmern so gut, dass man einfach weiterging bis alle um ca 10:00 auf der Zumsteinspitze (4563 m) standen und ein herrliches Bergpanorama mit vielen prominenten Bergen sehen konnten. Matterhorn, Gran Paradiso, Dufourspitze oder Mount Blanc, um nur einige zu nennen.
Bei diesen Blicken war die Gruppe so motiviert sich der gegenüberliegen Signalkuppe auch noch anzunehmen. So standen alle ca. 90 min später auf der Signalkuppe (4554m) oder wie sie im italienischen heißt: Punta Gnifetti.
Das Besondere: Hier steht das höchste Gebäude Europas, die Margheritahütte.
Nach Rast und Stärkung auf dieser, ging es also wieder hinab zum Ausgangsort: der Capanna Gnifetti.
So wurde aus dem Eingehtag, ein doppelter Gipfelerfolg. Mit dem 5. und 6. höchsten Berg in den Alpen.

Somit wollte es die Gruppe am nächsten Tag ruhiger angehen lassen, nach etwas Kartenstudium und Infos einholen der einheimischen Bergsteiger entschied man sich, den Übergang zu einer anderen Hütte zu wagen.

Ziel an diesem „Ruhetag“: Das Refugio Quintino Sella.
Es sollte technisch allerdings der anspruchvollste Teil werden. Nach ein paar Höhenmetern und Gletscherüberschreitung ging es durch Blockgelände den Weg zu finden, bevor die Seilschaft knapp unterhalb der Lyskammnase stand.
Um wieder auf den Gletscher zu kommen mußte eine 45 Grad Eiswand und erneut Blockkletterei im I und II Schwierigkeitrad überwunden werden.
Wieder auf dem Gletscher gab es nach dem anstrengenden Teil erst eine kurze Rast bevor man am frühen Nachmittag auf der schön gelegenen Hütte auf 3585 Metern eintraf.
Cappucino und Kuchen in einer sehr gemütlichen Hüttenlounge gab es zur Belohnung.

Donnerstag, letzter Tag. Vorrausgesetzt es klappt alles und ob alle ihre Kräfte noch einmal mobilisieren können. So ging es Nachts in den Wolken um 5:00 auf dem Gletscher los.
Ziel war der Castor mit einem sensationellen Firngrat.
Die Gruppe wurde mehr als belohnt. Um 8.00 gab es den Gipfelerfolg auf dem Castor (4223 m).
Über den Wolken, Sonnenaufgang. Die Welt war mehr als in Ordung.
Nach 15 min Genießen, ging es über den Firngrat zurück und es ging weiter mit der gestrigen Überschreitung aber retour. Man wollte versuchen bis zur Seilbahn abzusteigen und die letzte Gondel um 16:30 zu erreichen.
Es sollte eine Punktlandung werden. Aber es war mit Gipfelerfolg, 45 Grad Eiswand, Kletterei , ca 15 km, 1300 Hm bergauf und 1600 Hm bergab der mit Abstand schwerste Tag. Aber auch der beeindruckenste. Solche Dimensionen wie sie die Bergwelt bietet, sind nur schwer in Worte zu fassen.


Im Tal angekommen suchte man Unterschlupf in einem nahen Campingplatz.
Wäschewechsel und die erste Dusche nach vier Tagen waren eine Wohltat. Bei Pizza, Pasta und Wein, in der anliegenden Pizzaria waren die Strapazen der vergangen Tage gleich vergessen. Erinnerungen an das Erlebte und neue Ziele machten es zu einem sehr kurzweiligen Abend.

Heimfahrt war über die Schweiz geplant. Mit Stau, Reiserückkehrverkehr und Verspätungen, kam man erst nach ca 12 Stunden Autofahrt nachts zuhause wieder an.

Aber alle waren sich einig:
Trotz allen Anstrengungen… Es waren superschöne Tage, und es war alles wert.

Text: Rammelsberger
Fotos: Rammelsberger/Wagner

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